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Der Wein - Basiswissen (2)

 Was ist Wein? (B)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Diese Art des Austauschs und der „Globalisierung" des Weingeschmacks ist in der Geschichte des Weinbaus jedoch nicht wirklich neu. Von ihren Ursprüngen im Kaukasus an waren Weinreben und Wein fast ständig Objekt und Vehikel des Austauschs zwischen den Kulturen. Rebsorten wurden von einem Land ins nächste, von einem Kontinent in den anderen verpflanzt, und mit ihnen die Kunst des Weinmachens, bestimmte Techniken der Weinbereitung  und damit natürlich auch bestimmte Wein- oder Geschmackstypen.

Die Entwicklung des Weinbaus ist untrennbar mit der Geburt der vorderasiatischen und europäischen Zivilisationen verbunden. Obwohl Nomadenvölker bereits vor mehr als 7000 Jahren wilde Trauben zu Wein vergoren, im 8. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung im Nahen Osten erste, rudimentäre Rebpflanzungen angelegt wurden und die ältesten Funde von Werkzeugen im nördlichen Kaukasus, die dem Weinmachen gedient haben könnten, auf das 5. oder 6. Jahrtausend v. Chr. datiert werden, ist die Existenz von Rebkulturen wissenschaftlich erst für das 4. Jahrtausend in Ägypten und im Zweistromland, in der Ägäis für etwa 2500 v. Chr.
nachgewiesen.


Die Mönche des Zisterzienserklosters Cîteaux im
Burgund legten rund um ihren Wirtschaftshof in
Vougeot eine der bekanntesten Weinbergslagen
der Welt an: Clos Vougeot.

Wahrscheinlich stammt der Begriff Wein selbst aus dem Armenischen, Hebräischen, Arabischen oder dem Sanskrit und gelangte über das griechische „oinos" und das lateinische „vinum" zu uns. Eine erste Blüte erlebte der Weinbau im Ägypten der Pharaonen. Unter ihnen entwickelte sich auch zum ersten Mal ein reger Weinhandel, und mancher Historiker vermutet gar, dass die Grundlagen unserer modernen Ökonomie – Geld, Verträge, Gerichte, Rechnungswesen und vielleicht sogar unser Zahlensystem und Zeitmaß – im Rahmen dieses (Wein-)Handels erfunden wurden.

Von Ägypten nach Griechenland

Griechenland war die erste europäische Etappe des Weinbaus, wobei die minoische Kultur Kretas als Brückenkopf diente. Bereits im 2. Jahrtausend war Wein ein fester Bestandteil der griechischen Kultur. Vor allem die meist mit Gewürzen, Honig, Harz oder Duftstoffen aromatisierten Produkte der Ägäisinseln Lesbos, Rhodos und Thasos genossen weit über die Region hinaus Ansehen. Chios, das Bordeaux der Antike, exportierte gar bis ins Gebiet des heutigen Russland. Wein gewann für die Griechen eine solche wirtschaftliche und soziale Bedeutung, dass sie ihm eine eigene Gottheit widmeten: Dionysos, den Gott der Fruchtbarkeit und der Ekstase.

Die griechischen Siedler, die in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. neue Lebensräume im restlichen Mittelmeerraum eroberten, führten den Weinbau in den Kolonien ein: Sizilien, Süditalien und Südfrankreich wurden zu neuen Zentren der europäischen Weinkultur und lösten das alte Griechenland ab. Es blieb den Römern vorbehalten, den Weinbau zu einem vollwertigen Wirtschaftszweig zu entwickeln und ihn in Mitteleuropa einzuführen.

   
 
   
 

Modeweine oder Modellweine?

Nicht jeder Modewein ist ein Modellwein, und leider haben sich die Erzeuger vieler Weinbauländer im Laufe der Geschichte immer wieder dazu verleiten lassen, es mit der Qualität nicht so genau zu nehmen. Das galt und gilt auch für viele Erzeuger von Modeweinen der letzten Jahrzehnte. In Deutschland – und nicht nur hier – musste ein Wein bis in die 1970er-Jahre ja einfach nur süß sein, und wenn er die Bezeichnung Spät- oder Auslese trug, galt er als besonders wertvoll.
Wie fatal diese „Moderichtung" war, zeigte sich auf besonders drastische Weine im österreichischen Weinskandal Mitte der 1980er-Jahre, als eine Handvoll findiger Winzer entdeckten, dass man die Süße im Wein billig erzielen konnte, wenn man einfach Frostschutzmittel, Glykol, beimischte. Das diese Panscherei der Gesundheit der Kunden nicht eben zuträglich war, interessierte sie nur sekundär.
In die Hoch-Zeit des papp- und klebrigsüßen Weins fiel der Erfolg des französischen Edelzwickers. Vielen Weinfreunden galt er als der Inbegriff des sauber gemachten, trockenen Speisenbegleiters, aber dieses Renommée hielt nur, so lange die Erzeuger des beliebten „Elsässers" noch nicht entdeckt hatten, dass ihr Zwicker ein wahrer Goldesel war. Die Konsequenz dieser Erkenntnis: Immer größere Mengen immer schlechterer Weine überschwemmten den Markt und ruinierten nicht nur die Preise, sondern schließlich auch Gaumen und Mägen der Weinfreunde in aller Welt.
Auf der Welle von Weinmoden überschwemmt leider immer wieder viel zu oft schlechte Qualität den Markt. Wer deshalb phantasielos nur nach „Prosecco", „Beaujolais Nouveau", „Pinot grigio" oder „Grünem Veltliner" verlangt, weil das „in" ist und er vor den Tischnachbarn eine gute Figur abgeben will, der riskiert, daß ihm irgendwann nur noch minderwertige Qualität serviert wird.
Darüber hinaus passen Modeweine ja oft nur zu wenigen Anlässen – ein Prosecco beispielsweise eignet sich als Aperitif, ein Beaujolais Nouveau passt vielleicht zu einfachen, rustikalen Gerichten – und verderben in den restlichen Fällen eher den Brei, pardon, den Geschmack. Sicher ist es ein wenig anstrengender, für jede Gelegenheit den richtigen Wein zu wählen, aber der Genuss ist dafür auch um ein Vielfaches größer.
 
   
 
   

 

Dabei wirkte eine Katastrophe als Auslöser: Die Zerstörung der Stadt Pompeji durch den Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 unserer Zeitrechnung führte dazu, dass das römische Imperium auch in den nördlicher gelegenen Provinzen Weinbau entwickeln musste. Im Kernland Roms, dem heutigen Latium, war schon bald das gesamte landwirtschaftlich nutzbare Land mit Reben bestockt. Dies zwang Kaiser Domitian sogar dazu, die Anlage neuer Weinbergsflächen im gesamten Reich zu verbieten, da er die übrige Lebensmittelproduktion durch die entstehende Monokultur gefährdet wähnte. Erst 200 Jahre später hob Marcus Aurelius Probus, der die Versorgung seiner Truppen in den germanischen und pannonischen Provinzen mit dem kostbaren Nass sicherstellen wollte, das Domitianische Edikt wieder auf und sorgte so für die Entstehung und Entwicklung der mittel- und westeuropäischen Weinbaugebiete. [...]


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