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Der Wein - Basiswissen (20)


[...] Im benachbarten Venetien ist der Weinbau in zwei klar voneinander getrennte geographische Hälften geteilt. Im Osten, in der weiten Flussebene des Piave, werden überwiegend einfache Sortenweine in großen Mengen gekeltert. Bemerkenswerte Qualitäten findet man hier nur selten. Der Westen dagegen, das Gebiet von Verona und dem Gardasee, ist die Heimat herrlicher Rot- und Weißweine. Von hier stammen der gewaltige, alkoholreiche Amarone, eine Art trockener Strohwein und der fruchtige Valpolicella, der erdig-schmelzige Soave wie auch die weißen und roten Recioto-Süßweine. Am Gardasee werden neben dem leichten Bardolino auch die fruchtigen Weißen Bianco di Custoza und Lugana gekeltert.

Auch die Emilia-Romagna gehört zu den Adriaanrainern, wenngleich sich die Region auch weit ins Landesinnere erstreckt. Die Emilia ist vor allem durch den Lambrusco in seinen verschiedenen Spielarten bekannt geworden, der noch vor wenigen Jahrzehnten so etwas wie der perlende Inbegriff klebrig-süßer Massenware war. Heute findet man da und dort allerdings auch stille und vor allem qualitativ anspruchsvolle Lambrusco-Weine.

Das Reich des Sangiovese

Im Süden setzt sich der Reigen der Adriaregionen in den Marken fort. Hier werden aus den beiden wichtigsten Rotweinsorten Mittelitaliens, Montepulciano d’Abruzzo und Sangiovese fruchtbetonte, harmonische Tropfen gekeltert. Der Sangiovese, von dem einfachere Varianten auch in der Emilia-Romagna existieren, läuft allerdings nur in der benachbarten Toskana zur Höchstform auf. Aus ihm werden einige der berühmtesten Weine Italiens gekeltert: der elegante Chianti in seinen verschiedenen Spielarten – der Classico ist die renommierteste –, das Kraftpaket Brunello di Montalcino, der süffige Morellino di Scansano und schließlich, im Verschnitt mit anderen Rotweinsorten, der aromatische Vino Nobile di Montepulciano, kurz Nobile genannt.


Die mittelitalienische Toskana - im Bild die historischen Geschlechtertürme von San Gimignano - stellt eine perfekte Synthese zwischen klassischer Kultur- und Weinlandschaft dar. Hier werden so berühmte Weine wie Chianti, Chianti Classico, Brunello di Montalcino, Vernaccia di San Gimignano, Nobile di Montepulciano, Sassicaia, Ornellaia und Tignanello
erzeugt.

Die natürlichen Voraussetzungen für die Erzeugung von Spitzenweinen sind in fast allen Teilen der Toskana ideal. Das Klima wird von der südlichen geographischen Lage einerseits, vom bergigen Charakter der Region andererseits bestimmt und ist sogar deutlich ausgeglichener und milder als in norditalienischen Anbaugebieten. Mit Kultweinen wie dem Sassicaia, dem Tignanello oder dem Ornellaia war die Toskana seit den 1980er-Jahren unumstrittener Vorreiter der Qualitätsentwicklung ganz Italiens.

Ganz anders das benachbarte Umbrien, das grüne Herz Italiens. Auch hier wird Sangiovese kultiviert, aber die Weine der Region haben es nie geschafft, aus dem Schatten der Gewächse des Nachbarn Toskana zu treten. Lediglich die kräftigen Roten von Montefalco und Torgiano konnten lange Zeit überzeugen, und der populärste Wein der Region ist auch heute noch der Orvieto, ein süffiger, leicht zu trinkender Weißer ohne großes Qualitätspotenzial.

Der Süden und die Inseln

Ob das Latium, die Region um die Hauptstadt Rom, noch zu Mittel- oder bereits zu Süditalien gehört, ist beliebter Streitpunkt der Italiener. Weinmäßig gesehen schließt es zwar an Umbrien an, mit dem es das Anbaugebiet des Orvieto teilt, und bringt mit dem Frascati, dem Marino oder dem Est! Est!! Est!!! di Montefiascone weitere ähnliche Weiße hervor. Unter qualitativen Gesichtspunkten allerdings hat das Latium wenig von der Klasse Mittelitaliens aufzuweisen.

Da steht das benachbarte Kampanien, die Region um Neapel, mit ihren einheimischen Rebsorten besser dar. Hier findet man nicht nur gut strukturierte Weiße aus der Greco- und der Fianotraube, sondern auch elegante und trotzdem kräftige Rote aus Aglianico, der interessantesten Rebsorte des italienischen Südens. Sie prägt – zusammen mit weiteren authochthonen Reben wie Negroamaro, Malvasia nera, Primitivo, Uva di Troia, Aglianico und der weiße Bombino – auch Weine der besten Appellationen Apuliens, der Region am Stiefelabsatz, während weiter nördlich, in den Abruzzen und Molise, der Montepulciano für weiche und harmonische, allerdings nicht sehr komplexe Rotweine sorgt.

Der rote Aglianico ist auch der Star der kleinen Bergregion Basilicata zwischen Kampanien und Apulien. Aus ihm werden an den Hängen des erloschenen Vulkans Vulture sehr charakteristische, rustikale Rotweine erzeugt, die schon lange einen guten Ruf genießen. Anders das Bild im benachbarten Kalabrien, wo der rote Cirò zwar einige Bekanntheit erlangt hat, wo aber kaum Weine von Klasse erzeugt werden. Letzteres kann man dagegen – nach einer langen Phase des Stillstands – von den Inseln Sizilien und Sardinien nicht mehr behaupten. Sizilien hat seit den 1990er-Jahren eine bemerkenswerte Karriere mit Weinen aus lokalen, teilweise uralten Rebsorten wie den weißen Inzolia, Grecanico und Grillo sowie den roten Nero d’Avola, Frappato und Nerello Mascalese erlebt. Insbesondere die Weine aus dem kühlen Hochland im Inselinneren zeigen dabei erstaunliche Finesse und Frische. Neben dem meist süßen Likörweinklassiker Marsala aus der Provinz Trapani wird auch auf den vorgelagerten Liparischen Inseln und Pantelleria eine Reihe interessanter Süß- und Likörweine erzeugt.

Iberische Klasse

Auch Sardinien besitzt eine Reihe eigenständiger Rebsorten wie Carigiola, Pascale, Gregu Nieddu, Caddiu, Carenisca, Monica, Retagliadu oder Nieddu Mannu, die selbst Spezialisten kaum bekannt sind. Das große Kapital der Inseln allerdings sind vor langer Zeit aus Spanien importierte Reben: Cannonau alias Grenache, Carignan und Vermentino. Insbesondere die alkohol- und tanninreichen, kräftigen Roten aus Cannonau gehören zum Besten, was Süditalien hervorbringt.

In der alten Heimat dieser iberischen Sorten hat die Qualitätsrevolution, die Italien schon Ende der 1970er-Jahre initiierte, erst in der letzten Dekade des Jahrtausends eingesetzt. Natürlich gab es im Riojagebiet auch vorher vielschichtige, alterungsfähige Rotweine von Weltruf, Sherry war ein Exportschlager und auch Cava hatte eine gewisse Bekanntheit erreicht, aber dies waren nur Einzelfälle. Heute dagegen gilt das Land mit der größten Weinbaufläche der Welt – aus den Trauben der 1,2 Mio. Hektar werden allerdings nur 35 Mio. Hektoliter Wein im Jahr erzeugt, deutlich weniger als in Italien und Frankreich – als eine der dynamischsten Weinbaunationen.

Katalonien, die autonome Mittelmeerregion an der Grenze zu Frankreich, ist nicht nur die Heimat des Schaumweins Cava, sondern bringt unter der Herkunftsbezeichnung Penedés auch schöne Weiß- und Rotweine hervor. Weltberühmt sind vor allem die Rotweine des Priorats – es sind feste, alterungsfähige Gewächse aus Garnacha alias Grenache und Carignan, hier Cariñena genannt. Auch Montsant, Costers del Segre oder Tarragona bieten verlässliche Qualitäten, dies allerdings erst seit wenigen Jahren – zuvor waren diese Herkunftsbezeichnungen auch weithin unbekannt.

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