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Der Wein - Basiswissen (6)

 Wie wird Wein gemacht (C)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Die wichtigsten Bodenarten

Die für den Weinbau relevanten Bodenarten gehören den unterschiedlichsten erdgeschichtlichen Entwicklungsperioden an und sind von einer fast nicht überschaubaren Vielfalt. Wie in allen Ländern Mitteleuropas ist auch in Deutschland und Österreich fruchtbare Braunerde die am meisten verbreitete. In vielen Weinbaugebieten Österreichs beispielsweise bringen Weiß- und Rotweinrebsorten auf solchen Böden Weine mit gutem Stoff und ausgeglichener Säure hervor.

Lehm gehört zu den wertvollsten Bodenarten der Landwirtschaft überhaupt. Die durch Eisenverbindungen gelb oder rot gefärbte Mischung aus Tonmineralen und Quarzsand entsteht durch das Verwittern von Kalkstein. Auf Lösslehmböden oder sandigem bis kiesigem Lehm wachsen zum Beispiel einige der besten Rieslinge von Rheingau, Mittelrhein und Nahe, in der Pfalz zusätzlich auch weiße Burgundersorten.

   
 
   
 

Bioweinbau

Der biologisch-organische oder ökologische Weinbau ist eine Sonderform, bei der der Schutz der Natur und des Ökosystems im Vordergrund der Bemühungen stehen. Sein Ziel ist die Produktion von qualitativ hochwertigen Trauben ohne den Einsatz von Mitteln, die die Umwelt oder den Menschen schädigen könnten. Im Vordergrund der Arbeit stehen die Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, wobei auf das Erzielen von Höchsterträgen durch Stickstoff-Mineraldünger sowie auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet wird.
Stattdessen sind Kompost und Stallmist wichtige Elemente der Bodenpflege. Der Bereich unter und zwischen den Rebstöcken wird in der Regel mechanisch, oft sogar von Hand bearbeitet. Häufig wird mit Begrünung gearbeitet, durch die Stickstoff aus der Luft in den Boden überführt wird.Ein wichtiger Aspekt ist die Blütenvielfalt dieser Begrünungen, die das Auftreten zahlreicher Nützlinge wie Schlupfwespen, Florfliegen oder Raub- und Blumenwanzen begünstigt. Diese wiederum stärken die Selbstregulierungsmechanismen des Ökosystems Weinberg. Tierische Schädlinge wie der Traubenwickler werden ebenfalls nicht mit der „chemischen Keule", sondern mit Sexuallockstoffen, den so genannten Pheromonen bekämpft.
Eine Sonderform des biologischen ist der biodynamische Weinbau. Er schreibt den Einsatz speziell hergestellter Hornmist- und Hornkieselpräparate zur Stärkung der Naturkräfte der Rebe vor. Mit ihnen sollen die Lebensvorgänge im Boden und in den Pflanzen aktiviert und intensiviert werden. Biodynamisch arbeitende Winzer sind von der Bedeutung kosmischer Einwirkungen wie beispielsweise den Mondphasen auf die Pflanzen und auf die Wirksamkeit der von ihnen verwendeten Pflanzenschutzmittel überzeugt. In Frankreich und Österreich folgen sehr renommierte Weinbaubetriebe dieser Methode.
 
   
 
   

 

Direkt auf Kalkstein, der meist durch Ablagerungen vorzeitlicher Meere entstanden ist, wachsen hervorragende Rieslinge wie beispielsweise an der rheinhessischen Rheinfront und in der Pfalz. Auf Mergel – das ist eine Sammelbezeichnung für schwere, kalkhaltige Sedimentgesteine oder kalkhaltige Tone – steht ein Teil der Rieslingreben im Rheingau und in der Pfalz, die Keuperböden und der Muschelkalk Frankens dagegen eignen sich vor allem für die Weißweinsorte Silvaner.

In nördlichen Anbaugebieten Deutschlands wie Mosel-Saar-Ruwer, Ahr, Mittelrhein oder Rheingau bieten verschiedenartige Schiefer, das heißt unter Druck entstandene, dünne, ebene Platten, mit ihrer exzellenten Wärmespeicherkapazität die Basis für exzellente Rieslinge und Spätburgunder. Urgesteinsböden oder Urgesteinsverwitterungsböden aus magmatischem Gestein wie Granit, Basalt oder Porphyr wiederum bringen einige der besten Rieslinge und Grüne Veltliner Österreichs hervor.

Sand, Kreide, Feuerstein

Auch Sand, ein Verwitterungsprodukt von Gesteinen wie Granit, Gneis, Quarzporphyr oder Sandstein, bildet in zahlreichen Anbaugebieten gute Weinbergsböden. Weinberge auf reinen Sandböden sind fast vollständig gegen die Reblaus geschützt. Löss, ein aus fernen Wüsten angewehtes, feines Sediment aus Quarz, Kalk und Silikaten, das etwa 10 Prozent der Landoberfläche der Erde bedeckt und am Kaiserstuhl bis zu 40 m mächtige Schichten bilden kann, eignet sich sowohl für weiße und rote Burgundersorten wie auch für Riesling und Grünen Veltliner. Am Kaiserstuhl gibt es auch vulkanische Böden, die sich besonders für Weine aus den Burgundersorten eigenen.


Ideales Dreigespann: Granitböden, Syrahreben und
Einzelpfahlerziehungen im Gebiet der Côte Rôtie
an der nördlichen Rhône, hier bei Ampuis.

Kreideböden und Kreidefelsen sind verantwortlich für zwei Weintypen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Champagner und Sherry. Feuerstein oder Flint, eine Gesteinsformation, die bei der Umbildung lockerer Sedimente zu festem Gestein entsteht, soll für den charakteristischen Duft der Weine von Pouilly-sur-Loire verantwortlich sein, und von den Granitböden der nördlichen Rhône sagt man, dass sie den dortigen Syrah- und Viognier-Weinen ihre mineralische Eigenart verleihen. Berühmt ist die mineralreiche rote Erde, Terra rossa genannt, von der die eleganten und gleichzeitig kräftigen Weine des australischen Anbaugebiets Coonawarra kommen. Dass schließlich auch auf Schwemmlandböden herrliche Weine entstehen können, stellen seit Jahrhunderten unter anderem die Anbaugebiete Médoc und Graves im französischen Bordeauxgebiet unter Beweis. [...]


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